Kapitalismus ist die Krise!

Linke Konsumkritik verweist häufig auch auf miserable Arbeitsbedingungen in besonders ausbeuterischen Unternehmen, macht aufmerksam auf die Produktion schädlicher Waren (ungesunde Nahrungsmittel, giftiges Spielzeug) und ruft zum bewussten Konsum oder zum Boykott bestimmter Marken auf.
Damit beschwört sie die Macht individueller Konsumentscheidungen.

Als Sozialist*innen sind wir nicht darauf aus, die Entscheidungen von Menschen zu moralisieren, denn das gibt ihnen die Schuld als Individuum und reduziert die strukturellen Rahmenbedingungen im Kapitalismus auf individuelle Konsumentscheidungen und blendet daher das System, das zu diesem Verhalten geführt hat, aus.
Die Kritik am Konsum selbst ist Teil des Systems und ist, eine „Ideologie“, wenn man so will.
Sie geht nicht über deren Perspektive hinaus und hinterfragt nicht das System an sich, sondern ruft Menschen dazu auf, durch Boykott einzelne Akteure des Systems zu stürzen – ohne messbaren Erfolg und wirkt dadurch systemstabilisierend. Denn Konsum ist nichts Individuelles, sondern eine gesellschaftlich bestimmte Tätigkeit. Sie ist auf das Engste mit der Produktions- und Lebensweise unserer Gesellschaft verwoben. Seit der Verdrängung der Subsistenzproduktion muss in arbeitsteiligen Warengesellschaften ein Großteil der menschlichen Bedürfnisse über den geldvermittelten Konsum befriedigt werden:

Wir nehmen uns nicht, was wir brauchen, sondern wir kaufen ein, was wir bezahlen können.
Im Kapitalismus ist die Reproduktion der Arbeitskraft – also die alltäglichen Ausgaben der Lohnabhängigen für Nahrung, Kleidung, Bildung, Wohnen, Freizeit etc. – zugleich ein treibendes Moment der Verwertung des Kapitals.

In der Warengesellschaft ist Konsum neben Bedürfnisbefriedigung auch ein Weg zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mobilität. So dienen etwa Laptops und Smartphones keineswegs nur der technischen Ausrüstung, sondern sind der Zugang in soziale Netzwerke, dort, wo Kontakte geknüpft und gepflegt, Neuigkeiten ausgetauscht werden, auch Hierarchie und Konkurrenz regieren, kurz: wo Gesellschaft stattfindet.
An dieser Gesellschaft teilhaben zu können ist für all jene besonders wichtig, die nicht über andere Mittel von Macht und Einfluss verfügen – eine Klassenfrage.
Auch muss man sich den Boykott von Waren leisten können. Es gilt die Grundbedürfnisse befriedigen und zu überleben. Denn die Entscheidung, ob man im Bio-Markt oder im Discounter einkaufen kann, ist eine Klassenfrage. Arbeiter*innen sollten nicht versuchen, die Ausbeutung durch einen anderen Konsum zu untergraben, das ist eine neoliberale Fantasie, sondern sollten durch gemeinsame Organisation und Arbeitskämpfe das sie unterdrückende System überwinden.
Daher gilt es individuelle Konsumkritik abzulehnen.
An seine Stelle muss ein festes Verständnis des Imperialismus und ein materialistisches Verständnis der Klasse treten. Es kann unter dem Kapitalismus keinen ethischen Konsum geben.
Somit geht nicht darum, dem „ethischeren“ imperialistischen Konzernen den Vorzug zu geben.

Denn der Kapitalismus ist die Krise und die Lösung Revolution.